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Kartenvorverkauf 2. Halbjahr 2017

Der Kartenvorverkauf für das 2. Halbjahr 2017 beginnt ab sofort.

Karten für unser weiteres Programm gibt es bei unseren Vorverkaufsstellen:

TABAK WEISS

Hauptstraße 61 – 67435 Neustadt/Weinstraße
Telefon: 0 63 21 / 29 42
www.tabak-weiss.de

PAPIER-SCHATULLE IN MUSSBACH

An der Eselshaut 54 – 67435 Neustadt/Weinstraße Mußbach
Telefon: 0 63 21 / 60 36 0

THEATERKASSE

Telefon: 0 63 21 / 96 39 99 – 18
Die Theaterkasse ist am Veranstaltungstag ab 15.00 Uhr geöffnet!
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Zweite Hälfte des Jubiläums

Ein Mix aus Musik, Comedy und Kabarett mit Künstlern, die alle schon mal hier gewesen sind: So sieht das Programm für die zweite Hälfte des Jubiläumsjahres von Kabarettissimo aus. Den Auftakt am Samstag, 26. August, bildet das Duo Fritz & Hermann alias Rainer Pause und Norbert Alich.

Von Regina Wilhelm

Neustadt-Mussbach. „Wir haben mit rheinischem Frohsinn Ende Juni das erste Halbjahr abgeschlossen und beginnen das zweite im August mit selbigem“, erklärt Uwe Kreitmann, für die Reihe im Herrenhof in Mußbach verantwortlich, schmunzelnd. Im Juni wartete Christoph Brüske mit seinen Überlegungen zur Generation „Gaga“ auf. Am Samstag, 26. August, werden Fritz & Hermann, vielen auch bekannt aus Kabarett-Sendungen im WDR, ihre Gedanken zum Thema „Früchte des Zorns“ zum Besten geben. Nach vielen Jahren, sagt Kreitmann, seien die zwei „mal endlich wieder hier zu Gast“. Er freut sich schon auf die bissigen Kommentare, die die stets im schicken Zwirn gekleideten Herren zu Genfood, IS-Attacken oder den bösen Russen auf Lager haben. Ob es ihnen tatsächlich gelingt, eine bessere Welt zu schaffen, wie sie meinen, sei dahingestellt – aber sie arbeiten zumindest daran. „Die beiden sind wirklich hochpolitisch, lassen aber immer wieder rheinisch-karnevalistische Einsprengsel aufblitzen, das ist einfach gut“, findet Kreitmann.

Ebenfalls kein Blatt vor den Mund nimmt HG Butzko, der am Freitag, 22. September, mit seinem aktuellen Programm „Menschliche Intelligenz, oder: Wie blöd kann man sein?“ in Mußbach aufläuft. An Butzko gefällt Kreitmann, „dass er immer topaktuell ist, seine Texte also noch am Tag des Auftritts verändert“. Der Künstler komme „locker wie ein Kumpel aus dem Ruhrpott daher“ – wenngleich er in Berlin wohne – doch „er hat vor nichts und niemand Respekt“. Dieses Mal knöpft sich Butzko die Religionen vor – „die Dschihadisten im Nahen Osten gleichermaßen wie die Evangelikalen im Wilden Westen“, wie es heißt. Beide wird der „gläubige Atheist“ akribisch unter die Lupe nehmen.

Letztmals vor vier Jahren ist das Quartett Mistcapala im Herrenhof aufgetreten. Die vier Landsberger – Armin Federl, Vitus Fichtl, Tom Hake und Tobias Klug – werden am Freitag, 13. Oktober, für Stimmung im wahrsten Sinne des Wortes sorgen. Die vier Musiker spielen verschiedene Instrumente und unterhalten mit hintergründigen Texten, die sich vielleicht unter dem Titel „Wurst statt Käse“ rubrizieren lassen. Kennengelernt hat Kreitmann Tom Hake über Helmut Schleich. Er hat den virtuosen Musiker gehört, mit ihm auf dem Oktoberfest in München auch gesprochen und ist begeistert gewesen. Die fetzig Musik, „im weitesten Sinne Irish Folk hat es mir angetan“, erzählt der Kabarettissimo-Chef, der gespannt ist, welche skurrilen Geschichten die Jungs diesmal im Gepäck haben werden.

Ist es Zufall oder Fügung. Genau am Samstag, 11. November, zu Faschingsbeginn geben sich Emmi & Herr Willnowsky im Festsaal ein Stelldichein. „Nach ewig langer Zeit ist es zum Glück mal wieder gelungen, die zwei für einen Auftritt zu gewinnen“, sagt Kreitmann. Unter dem Motto „Tour 2017“ bieten die zwei in einem Wahnsinnstempo „anarchistische Comedy“. Emmi (Christoph Dompke) und Herr Willnowsky (Christian Willner) fetzen sich im Stile eines alten Ehepaars, das sich gleichermaßen hasst und liebt. Sie mimt die Diva, und er, ihr Pianist, liest ihr die Leviten. Auf bekannte Melodien haben sie neue Texte gedichtet, die urkomisch, mitunter etwas anrüchig sind und auch mal „die Gürtellinie schrammen“. Teile ihres Programms entstehen direkt auf der Bühne, wie Kreitmann weiß. Und Obacht! Die Herrschaften beziehen gern ihr Publikum in die Show mit ein.

Auch keine Unbekannte im Herrenhof ist Nessi Tausendschön. Sie und ihr Pianist Marcus Schinkel werden am Samstag, 2. Dezember, mit „Weihnachts-Frustschutz“ aufwarten. Klar, Weihnachten ist eine emotional aufgeladene Zeit, jeder hat andere Erwartungen an Geschenke, an den Ablauf der Festtage, an Essen und Getränke, an Gäste und Baumschmuck. Kein Wunder, dass alle weg wollen, bevor der programmierte Streit den Familienfrieden stört. In verschiedenen Figuren wird Nessi Tausendschön das Fest der Liebe und das Drumherum auf die Schippe nehmen und natürlich mit einer Menge Tipps aufwarten, wie jeglichem Frust entgegenzuwirken ist. Freuen können sich alle Weihnachts- und Nichtweihnachtsfans auf einen interaktiven Abend mit viel und guter Musik.

Mit dem zurückliegenden Halbjahr ist Uwe Kreitmann sehr zufrieden. Die Jubiläumsveranstaltung sei natürlich der Höhepunkt gewesen, sagt er. Aber generell habe die Saison kaum Wünsche offen gelassen.

Aufgrund der sinkenden Zahl und des steigenden Alters der Helfer „können wir leider nicht mehr ein so umfangreiches Angebot an Essen anbieten“, bedauert der Kabarettissimo-Chef. Aber Kleinigkeiten und eine Auswahl an Getränken werde es immer geben. Der Kartenvorverkauf für das zweite Halbjahr ist laut Kreitmann bereits angelaufen. Auch einige Abos sind noch zu haben; die Preise sind gleichgeblieben. Beginn der Veranstaltungen ist samstags immer um 20 Uhr, freitags um 20.30 Uhr.

Einige hochkarätige Künstler avisiert Kreitmann bereits für 2018. Und Planungen für 2019 gibt es ebenfalls schon. Kabarettissimo startet ins nächste Lebensjahrzehnt.

Info

Eintrittskarten zu 18 und 17 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr gibt es bei Tabak Weiss, Hauptstraße 61, Neustadt, Telefon 06321 2942, www.tabak-weiss.de; in der Papier-Schatulle Mußbach, An der Eselshaut 54, Neustadt, Telefon 06321 60360; an der Theaterkasse zu 20 und 19 Euro am Veranstaltungstag ab 15 Uhr unter Telefon 06321 96399918.

Ganz schön gaga, diese Welt

Rheinpfalz, Kultur Regional

Der Kölner Kabarettist Christoph Brüske trotzt im Herrenhof den Sauna-Temperaturen

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Von Regina Wilhelm

Neustadt-Mussbach. Spätestens mit seiner Hymne auf Neustadt hatte sich Christoph Brüske am Samstagabend endgültig in die Herzen der Zuhörer im Herrenhof-Festsaal gesungen. Mit schier nicht enden wollendem Applaus bedankte sich das Publikum für die Analyse der „Generation Gaga“, die der Kabarettist zuvor bei seinem mittlerweile dritten Auftritt in der Reihe „Kabarettissimo“ vorgelegt hatte.

„Herzlich willkommen in Kreitmanns Sauna“, ruft Christoph Brüske in den Festsaal. Und tatsächlich – es ist schwül und drückend im Raum. Wasserflaschen statt der üblichen Weingläser stehen auf den Tischen. Viele Frauen haben Fächer mitgebracht und wedeln kräftig, andere bedienen sich dazu des Programmhefts. Auf der Bühne ist es sicher noch heißer. Brüske muss sich immer wieder mit einem Handtuch abtrocknen. Aber er besitzt offensichtlich genügend Kondition, um die gut zwei Programmstunden sprechend, singend und tanzend durchzustehen.Mit einem dicken Lob auf Uwe (Kreitmann), den Gründer und künstlerischen Leiter der Reihe, startet Brüske seinen Vortrag. „Ohne ihn wäre ich heute nicht hier.“ Außerdem würdigt er den Service, den Salat, der ihm in der Garderobe gereicht worden ist, und die Spiegel, die ihn schlanker erscheinen lassen. Aber nicht nur der Herrenhof und die Mitstreiter, auch das „Kleinod zwischen Lindenberg und Haßloch“ hat es dem Kölner offensichtlich angetan. Er freue sich aufrichtig, wieder hier zu sein und bekannte Gesichter zu sehen, betont er. Ob ihm die Zuschauer das abnehmen? Egal.Nach dem euphorischen Intro legt Brüske los. Mit der Trauerfeier für den früheren Bundeskanzler Helmut Kohl, die sich zu einem Trauerspiel entwickelt, geht er auf aktuelles Geschehen ein. „Nein, das hat Kohl nicht verdient“, ruft der Kabarettist und erhält spontan Applaus. Doch nicht nur der große Politiker, auch viele andere Prominente, Schlagersänger und Schauspieler, seien in jüngster Zeit gestorben, bedauert der Künstler und erinnert an Michael Jackson, Roger Cicero, Joe Cocker oder Bud Spencer. Andere dagegen, die ihn eher abschreckten, lebten weiter.

Vorsicht! Die Abschaffung des Majestätsbeleidigungsparagrafen sei noch nicht durch, mahnt Brüske sich selbst. Und auf die Melodie von „Dschingis Khan“ singt er einen selbst gestrickten Text auf den „Despoten vom Bosporus“. Brüske spricht von der dunklen Seite der Macht, von einem offensichtlich dilettantisch vorbereiteten Putsch – „wie kann so etwas passieren?“ – und von „treuen Vasallen, die Erdogan in europäische Länder schickte“. Doch die Niederlande hätten sich ihm entgegengestellt, hebt der Künstler den holländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte auf den Schild. In den Augen Erdogans müsse darum wohl auch dieser ein Anhänger der Gülen-Bewegung sein.

In einem Parforce-Ritt streift Christoph Brüske die jüngsten gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen. Er erinnert an die Übergriffe an Silvester 2015 in Köln, an die Reaktion der Oberbürgermeisterin, die allen Frauen für die Zukunft empfahl, auf eine Armlänge Abstand zu gehen – „im Karneval wird aus Schunkeln dann ein Sirtaki“ – und an den verblüffenden Kommentar des Bundesinnenministers nach dem wegen Terrorwarnung abgesagten Fußballspiel zwischen Niederlande und Deutschland. Nach der Begründung für die Absage gefragt, hatte der Minister gemeint: „Teile der Antwort könnten die Bevölkerung verunsichern“. Silvester 2016 mitsamt der Kritik von Simone Peter, die sich über den Begriff „Nafri“ aufgeregt hatte, sparte er ebenso wenig aus wie die unsägliche geforderte politische Korrektheit. Als schlimm wertet es Brüske, dass Weihnachtsmärkte mittlerweile Wintermärkte, St.-Martins-Umzüge Sonne-Mond- und Sterne-Umzüge hießen. „Werden in Ludwigshafen die Penner demnächst ,location freelancer’“ genannt?“

Auch der momentanen Lieblingsfigur der Kabarettisten, dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump, widmet der Künstler einen großen Abschnitt. Kein gutes Haar lässt er an dem „71-jährigen Baulöwen mit dem Twitter-Tourette“. Nachdem Trump – gemäß alternativer Fakten – bereits einen terroristischen Anschlag in Schweden gesehen habe, hätten ihn die dortigen Politiker einfach Ikea überlassen; seitdem gebe es in dem Möbelgeschäft den „Trump-Vollpfosten“. Ach, beklagt der Kölner in einem Lied, wäre doch die Wahl anders ausgegangen. Doch „the game’s over, Hillary wird es nie“. Weiter springt Brüske zum ewigen Griechenland-Problem, den EU-Mitgliedstaaten im Osten, die zwar ihre Rechte, aber nicht ihre Pflichten und Verantwortungen kennten, und zu den Briten, deren Premierministerin, mit einer satten Mehrheit ausgestattet, dumm genug war, Neuwahlen anzusetzen.

Ja, Christoph Brüske kratzt an vielen Oberflächen, überlässt es aber dem Zuhörer, sich tiefere Gedanken zu machen. Ob Jugendsprache, Pegida und die Sachsen, Veganer und sämtliche Parteien sowie ihre bekanntesten Vertreter – alle bekommen ihr Fett ab. Nach dem eindringlichen Appell „Lasst uns wählen gehen und wir werden sehen, dieses Land wird nicht untergehen“, interpretiert der Kabarettist seine wunderbare, mit zahlreichen Details gespickte Hommage auf Neustadt. Verabschieden darf er sich darauf erst nach einigen lautstark geforderten Zugaben, die er aber sehr gern gewährt.