Liebes Publikum!
Mit großem Bedauern müssen wir Ihnen mitteilen, dass der Ersatztermin für die Veranstaltung
erneut abgesagt werden muss.
Der Künstler nannte uns als Grund, dass er es vorzieht, von seinem vertraglichen Recht Gebrauch zu machen und einen Termin für eine Fernsehaufzeichnung des NDR wahrzunehmen.
Da wir nicht in der Lage waren, 2018 ein gemeinsames Datum zu finden, an dem Herr Kreis bei uns auftreten kann, sehen wir uns nun gezwungen, die Veranstaltung ganz abzusagen – eine für uns sehr unangenehme Situation!
Selbstverständlich erhalten Sie Ihr Eintrittsgeld zurück!
Bitte beachten Sie, dass das Geld für im Vorverkauf erworbene Karten nicht über Kabarettissimo oder das Büro der Fördergemeinschaft Herrenhof zurück erstattet werden kann!
Wir bedauern diese Unannehmlichkeiten, die Ihnen durch die erneute Absage von Herrn Kreis entstanden sind sehr und hoffen, dass Sie unserem Hause auch weiterhin treu bleiben.
Wir freuen uns darauf, Sie auch weiterhin auf’s Abwechslungsreichste zu unterhalten.
Von Ute Gerst
Neustadt-Mussbach. Da die Weihnachtszeit die emotionalen Erwartungen extrem hoch schraubt, bedarf es unbedingt eines Frustschutzes, der wärmt, aufmuntert und die Menschen stärkt für das „Fest der Liebe“ – den bot am Samstag die Kabarettistin Nessi Tausendschön bei ihrem Auftritt in der wie immer gut besuchten Reihe „Kabarettissimo“ im Mußbacher Herrenhof.
Mit ihrem „Weihnachtsfrustschutzprogramm“ bereitete die Künstlerin, die vor ihrer Kleinkunstkarriere eine Zierpflanzengärtnerlehre absolvierte und dabei auch auf den Namen „Tausendschön“, im Volksmund das „Gemeine Gänseblümchen“, stieß, den Zuschauern in Mußbach viel Freude. Viele Lacher erzeugten zum Beispiel die unbedarfte Gabi Pawelka, die Seminarleiterin mit dem sächsischen Zungenschlag und die Tipps, die Nessi zum Glücklichsein parat hat. Nun ist die Künstlerin aber nicht nur Kabarettistin, sondern auch Chansonnette und flößte so dem Publikum, am Flügel begleitet von Marcus Schinkel, auch ordentlich Frustschutzmittel in Liedform ein. Einfach köstlich der Schutzengel mit Flauschflügeln und Alkoholproblem, der zum „Rauschgoldengel“ wurde. Und auf spontanen Zuruf verwandelt Nessi Tausendschön „Jingle Bells“, das meistverkaufte Weihnachtslied auf CD, zu Reggae, Sirtaki, Heavy-Metal, Hip-Hop und ein Mozart-Stück. Das Publikum klatschte wie wild ob dieser Spontaneität und Spielfreude.Auch ein chinesisches Weihnachtslied durfte nicht fehlen: „Es ist ein Los entsplungen“. Perlende Töne entstiegen Nessis Bambusflötlein und machten der „singenden Säge“ Konkurrenz, die den zu Herzen gehenden Titel „Wärst du Kindchen im Kaschubenland geboren“ begleitete. „Leise schnieselt der Re-Aktionär seinen Tee. Sitzt bei der Lampe noch spät – Blättert im Aktienpaket! Ordnend Scheinchen auf Schein. Fällt Erinnerung ihm ein“ von Dieter Süverkrüp aus der Sammlung „garstige Weihnachtslieder“ erklang ebenfalls im hellen Sopran der Kleinkunstdiva.
Die schlüpfte auch lustvoll in Rollen wie der von Maria und Josef: Josef, der einen Vaterschaftstest fordert, und Maria, die den Sohn eigentlich hatte Dieter nennen wollte und nicht Jesus, statt stinkendem Weihrauch lieber Mozartkugeln geschenkt bekommen hätte und sich nicht ständig von Ochs und Esel „beglotzen“ lassen will! Dann wieder die voluminöse und schmiegsame Drei-Oktaven-Stimme, die die polternde Ulknudel zu einer brillanten Chanteuse werden lässt. Sie kann einfach schön singen. Und ihre Lieder berühren.
Diese Frau ist voller Kontraste: Komödiantische Höhepunkte lassen sich noch steigern zu bitterbösen Erkenntnissen, fühlt sie sich doch durch Süverkrüp bestätigt: „Alle Welt frisst sich satt! Und zu der Innerlichkeit Ist keine Sau mehr bereit!“ Der Pianist haut in die Tasten, und Nessi Tausendschön serviert aus ihrem unergründlichen Humor-Reservoir einen Energie-Cocktail nach dem anderen. Sogar das politische Tagesgeschehen bleibt nicht außen vor, eingestreut in unvermutete Zusammenhänge spricht sie davon, dass irgendwie alle Menschen Flüchtlinge sind. Eben wie Maria und Josef. Fazit: Nessi Tausendschön ist nichts für Mimosen, sie geht auf Konfrontationskurs mit dem Publikum, ihre frech-frivole Art provoziert und fordert heraus. Und das ist gut so, in einer Zeit, in der die Weihnachtsdevotionalien schon im September in den Auslagen stehen und sich die „Stille Nacht“ in vielen Familien verwandelt hat in Streit und Frustration.