Von Regina Wilhelm
Das neue Jahr eröffnet am 24. Januar das Ensemble „Six Pack“. „Nein, absolut keine Unbekannten“, meint Kreitmann schmunzelnd. die Musikcomedy-Truppe aus Bayreuth sei schon zwei- bis dreimal hier gewesen, allerdings in unterschiedlicher Besetzung. Doch die Qualität sei immer höchstes Niveau. Im Gepäck hat „Six Pack“ – ja, der Gag muss sein – ein Programm mit einem elend langen Titel „Show mit der neuen Best-of-Show ,Zukunftsmusik – Das Beste von gestern’“. Was sich dahinter verbirgt? Nun die Highlights aus 35 Jahren „Musik-Piraterie“, wie Kreitmann weiß. Denn die sechs Künstler greifen gern in die Kiste bekannter Melodien, ob U- oder E-Musik, und dichten dazu ihre eigenen, in der Regel äußerst komischen Texte. Angekündigt sind unter anderem Auszüge aus „Carmen“, Songs der „Münchner Freiheit“ oder von „Brotherhood of Man“ in wilder Kombination und ganz ohne Instrumente rein a-cappella vorgetragen.
Ein gern gesehener Gast im Herrenhof ist auch Philipp Weber. Der Wortakrobat wird am 21. Februar wieder in Mußbach zu erleben sein. Der gebürtige Amorbacher wird seine Überlegungen zu unserem Staatswesen zum Besten geben. Der Programmtitel „Power to the Popel“ lässt allerdings stutzen. Kommt das von „populus“, peuple oder people, was in den verschiedenen Sprachen Volk bedeutet? Oder bedeutet es etwas ganz anderes? Die Besucher werden es erfahren. Auf jeden Fall werde Weber unser Staatswesen, unsere Demokratie sowie ihre gewählten Vertreter ziemlich durch den Kakao ziehen, meint Kreitmann. Dass mancher Lacher im Halse stecken bleibe, könne dabei schon vorkommen. Dabei lege Weber ein rasantes Tempo vor. Gleich einem aufgezogenen Duracell-Häschen hüpfe er über die Bühne – „und das locker zwei Stunden lang“.
Im wahrsten Sinne des Wortes ein ausgezeichneter Musiker ist Andreas Martin Hofmeir. Vor zwei Jahren präsentierte er im Herrenhof sein Programm „Kein Aufwand – Teil 1“. Folgerichtig wird er jetzt am 21. März mit „Teil 2“, ergänzt um „die letzten Jahre“, aufwarten. Kreitmann beschreibt Hofmeir als „begnadeten Tubisten“, der obendrein voller Witz und Humor stecke und Vergleiche mit Karl Valentin oder Gerhard Polt nicht zu scheuen brauche. Der Oberbayer, der aus Prinzip immer barfuß auftritt, gibt in seinen Programmen allerlei Witziges aus dem Leben eines Musikers preis. Begleitet werde er in der Regel von einem Kollegen. Wer dieses Mal mitkomme, stehe aber noch nicht fest, so Kreitmann. Hofmeir selbst spielt außer der Tuba, die Fanny heißt, auch noch Trompete (Franz) und Posaune (Frau Griesmeier). Schon diese schräge Namensgebung weist auf den Schalk des Musikers hin, der jedoch zugleich ein echter Könner auf seinem Instrument ist, wie manche(r) vielleicht noch von seinem Auftritt 2023 als Solist an der Seite der Rheinischen Philharmonie im Neustadter Saalbau in Erinnerung hat.
Den Frühjahrsreigen beschließt am 11. April ein neues Gesicht in der Reihe: Lucy van Kuhl. Nein, er habe die Künstlerin auch selbst noch nicht live gesehen, räumt Uwe Kreitmann ein. Aber er habe sich etliche Videos von ihr angeschaut, „und die Beiträge haben mir gefallen“. Die Kölnerin interpretiert selbst geschriebene Lieder und Chansons, die sie am Flügel begleitet, ist aber zugleich auch Kabarettistin und Poetin. „Auf den zweiten Blick“ ist ihr Programm überschrieben. Damit wolle sie aufzeigen, dass es sich lohne, nicht nur einmal auf eine Person, eine Sache, eine Beziehung, ein Gefühl, auf die Gesellschaft oder eine Begebenheit zu schauen, sondern durchaus auch ein zweites Mal oder sogar öfter.
Was den Rahmen betrifft, dürfen sich die Besucher bei „Kabarettissimo“ auf Bewährtes freuen. Es gibt im Vorfeld und während der Pause Snacks, Mußbacher Weine und auch Alkoholfreies, „was dankenswerterweise ehrenamtliche Helfer ausgeben“, betont Kreitmann.
NOCH FRAGEN?
Alle Veranstaltungen beginnen um 20 Uhr im Herrenhof-Festsaal in Mußbach. Karten unter www.kaberettissimo.de sowie bei Ticket-Regional-Vorverkaufsstellen wie Tabak Dürninger oder der Buchhandlung Quodlibet in Neustadt.
Quelle
| Ausgabe | Die Rheinpfalz Mittelhaardter Rundschau – Nr. 12 |
| Datum | Donnerstag, den 15. Januar 2026 |
| Seite | 16 |
Von Regina Wilhelm
Helmut Schleich humpelt auf die Bühne. Er habe sich eine Sportverletzung zugezogen. Beim Triathlon, der von der Zugspitze herunterführte, habe es ihn weggerissen. Gelächter. Ein freundliches „Guten Abend meine Damen und Herren“ folgt. „Bei der Tagesschau hätten sie mich jetzt rausgeschmissen. Weil es sein könnte, dass sich einer, der sich als Stehlampe sieht, nun auf den Schlips getreten fühlt.“ Nein, über die Tagesschau wolle er nicht herziehen, wirke sie doch als Schlankheitskur: „Die Zuschauer haben stark abgenommen.“ Er weiß warum. Da wird auf den Jahrhundertwinter der Jahrtausendsommer herbeigeredet, wenngleich es den so gar nicht gibt. „Glauben Sie nicht, was Sie sehen, wenn Sie aus dem Fenster schauen“, heiße es. Ja, das Wetter sei politisch. Und „wer nix weiß, muss alles glauben“. Deutschland, behaupte die Grüne Britta Haßelmann, erhitze sich schneller als der Rest der Welt. „Ja, schneller bei Totalverblödung“, schiebt Schleich nach.
Nun knöpft sich der Bayer die Politik vor. „Der Lange Dürre“, seit 6. Mai im Amt, habe vorher nur gelogen – und geriere sich jetzt als „Rangiermeister in der Sackgasse“. Später wird Außenminister Johann – „what a fool“ – Wadephul sein Fett abkriegen. Der habe gemeint, in Syrien sehe es schlimmer aus als in Hannover 45, also „als in Deutschland 2045“.
Herrlich komisch sind Schleichs Bilder, die er von den Regierenden zeichnet. Da erinnert er Details beschreibend an deren Auftritte auf dem Oktoberfest. Dort weist er auf die Qualifikation der Minister hin: „absurd“, dass Dorothee Bär Ahnung von Raumfahrt haben soll. An deren Stelle hätte man auch Kathi Hummels nehmen können, die ab und zu „Pech mit dem Denken hat“, oder Saskia Esken, die besitze zwar keine Raketen, aber einen Besen. Schluck. Nein, zimperlich dürfen die Zuhörer nicht sein. Schleich ist offen und direkt, nimmt kein Blatt vor den Mund.
Mit Tempo geht es weiter. Olaf Scholz, heute ganz hinten im Bundestag sitzend, wisse „nicht mehr, dass er mal Kanzler war“. Schleich attestiert ihm so ein dickes Fell, dass er kein Rückgrat brauche, um aufrecht zu stehen. Hätte Merz auch nötig. Grimassen schneidend – ein Talent, das er häufig einsetzt – imitiert er gekonnt Scholzens Auftritt mit Augenklappe: „eine Kombination aus Fluch der Karibik und Stauffenberg“. Schleich empfiehlt Merz, sich eine solche zuzulegen für ein Dreiaugengespräch mit Lars Klingbeil. Und er wäre als Einäugiger mal König unter den Blinden im Parlament.
Zurück zur Ampel. Die gehe ihm als Kabarettist ab. Nicht mit Florett, mit der Machete macht sich der Münchner über diese her: Habeck, beleidigt das Weite gesucht, steht in seinen Augen für selbstbesoffenen Dilettantismus; Lindner, der beim Überfall auf die Ukraine und der sinkenden Gaszufuhr den Tipp gab, „mit Verstand zu heizen“, wäre selbst erfroren.
Neben der Bahn, die seit neuestem „Stehzüge“ einsetze, widmet Schleich sich ausgiebig der Entwicklung der Sprache. Ein Dorn im Auge ist ihm das überbordende Gendern – er sei auch Student, aber selten Studierender gewesen – und die Anglizismen oder direkten Übersetzungen wie „Ich bin fein damit“. Um dem Bürger nicht die Wahrheit zuzumuten, würden eigene Wörter kreiert: Da sei die Rede von Negativwachstum, Gegensatz Plusschrumpfung. Über die Billionen Schulden, die gemacht werden, müssen zum Glück wir uns keine Sorgen machen. Das sei ja nicht unser Geld, sondern das unserer Ururenkel, am Ende ein arabisches Problem.
Natürlich knöpft sich der Bayer noch seinen Ministerpräsidenten Markus Söder vor, macht sich über dessen protzig-prolligen Auftritte lustig. Ein letztes Glanzlicht setzt Helmut Schleich in seiner Paraderolle als Franz-Josef Strauß. Hier zieht er ein weiteres Mal so richtig vom Leder über frühere und aktuelle Polit-Granden. Die Zuhörer danken mit schier nicht enden wollendem Applaus für die Lehrstunde in Politik- und Gesellschaftskritik.
Quelle
| Ausgabe | Die Rheinpfalz Mittelhaardter Rundschau – Nr. 278 |
| Datum | Montag, den 1. Dezember 2025 |
| Seite | 18 |