Neustadt-Mussbach. Mit Stimme, Witz und Charme nahm Annette Postel am Samstagabend im Mußbacher Herrenhof die Befindlichkeiten zwischen Männern und Frauen gehörig auf die Schippe. Als vom Weg abgekommene Liebes-Glücksfee setzte die Musikkabarettistin den Titel ihres Programms „Ausziehn…“ gleich in doppelter Hinsicht auf der Bühne um und sorgte damit für einige sehr amüsante Momente.
Schon der Anblick der hinter einem Vorhang rot angestrahlten Silhouette lässt erahnen, welches Erscheinungsbild die Besucher gleich überraschen wird. In Anlehnung an die Rokokozeit – Hochsteckfrisur, Wallerock samt Tüllschößchen – stolziert Postel auf die Bühne und blendet mit ihrer Farbauswahl sogleich die Augen der Zuschauer. Mit ihrem fast neongrünen Outfit ist sie nicht zu übersehen und harmoniert bestens mit den Tischdecken, die ebenfalls in Hellgrün für etwas Farbe in der sonst eher dunklen Jahreszeit sorgen.„Ich habe mich extra für Euch in Schale geworfen oder wie man bei uns sagt: uffgebrezelt“, verkündet sie stolz und macht damit auch deutlich, dass sie im Laufe des Abends nicht nur über Klischees herziehen, sondern auch sich selbst nicht wirklich allzu ernst nehmen wird. Als Liebes-Glücksfee benimmt sie sich wie die divenhafte Miss Piggy aus der Muppet-Show, die sich ins Gewand ihres Froschgeliebten Kermit gehüllt hat. Sie ist in einer Krise, da ihr „Drecksack-Ex“ sie wegen einer Brünetten verlassen hat. Darunter muss auch ihr Pianist Klaus Webel leiden, den sie mit der Ankündigung überrascht: „Ich zieh vorübergehend zu dir.“ Zumindest solange, bis ihre vom Ex völlig kontaminierte Villa gereinigt ist. Klar, dass dieser angesichts ihrer nervigen Anwandlungen und sieben Koffern nicht begeistert von der Idee ist.
Die sich daraus ergebenden Dialoge erheitern dafür umso mehr die Besucher, die eine facettenreiche Postel kennenlernen. Mit ihrer engelsgleichen Stimme, die vier Oktaven umfasst, begeistert sie ihr Publikum, das auch mit sehr schrillen Frequenzbereichen bestens zurechtkommt. Einige treffen sogar Vorkehrungen und halten scherzhaft ihre Weingläser fest, wenn Postel mal wieder in sehr hohe Tonhöhen hinaufsteigt.
So durchgeknallt wie ihr Outfit ist auch der Sangesritt, bei dem Postel sich teilweise bekannter Melodien annimmt und diese mit einem neuen Text versieht. Dabei spiegeln diese gerade immer ihre aktuelle Gefühlslage wider, schwanken somit zwischen den beiden Extremen Einsamkeit und an Hysterie grenzende Verliebtheit. Neben allerlei Witz und Ironie lässt sie aber auch Raum für ernstere Töne, die für Gänsehaut sorgen und nachdenklich stimmen. Im nächsten Moment bringt sie jedoch die Stimmung dann wieder mit absurden Witzen in schwindelerregende Lachpegelhöhen. So erklärt sie den Unterschied zwischen einer Konservendose und Gefühlen: „Die Konservendose kann man aufmachen, Gefühle soll man zulassen.“
So tröstet sich Postel über den Verlust ihres ermordeten Friseurs, der gleichzeitig ihr Hobbypsychologe war, und den sie zur Arie „Figaro“ zu Grabe trägt, was sie symbolisch durch die Abnahme ihrer Perücke zum Ausdruck bringt, mit einer neuen Liebe hinweg. In der Pause habe sie einen „heißen Typen“ entdeckt, der ihre Fähigkeiten als Liebes-Glücksfee wieder zum Erblühen gebracht habe. Und so schwingt sie munter ihren Feenstab zum Jazzhit „L-O-V-E“, dessen Buchstaben sie mit abenteuerlichen Verrenkungen darstellt. Völlig liebestrunken versucht sie sich an einer deutschen Version, bis sie von ihrem Pianisten unterbrochen wird, denn die Buchstaben „GSDF“ ergeben für ihn zwar keinen Sinn, erinnern ihn dafür aber an eine Casting-Show.
Grandios ist ebenfalls der Auftritt ihres „Schmutzengels“ – einem Vogel, der all ihre kleinen Geheimnisse ausplaudert. Bei ihrem kleinen Striptease zeigt Postel zudem ihre Wandelbarkeit, räkelt sich lasziv auf dem Flügel und regt mit einem Schleiertanz die Fantasie ihres Publikums an. Als alte Jungfer, die sich von der heißblütigen Carmen aus der gleichnamigen Oper die Verführungskünste abschaut, verschafft sie den Lachmuskeln der Anwesenden Dauerarbeit. Dabei setzen sich die feurigen Latinrhythmen bei einigen Damen so tief in den Gehörgängen fest, dass sie diese auch auf dem Weg nach Hause noch munter vor sich herträllern.
Von Sandrina Lederer
Neustadt. Nein, etwas zu trinken gibt es nicht in „Jacques Bistro“. Aber dafür jede Menge Erkenntnisse über die verschiedenen deutschen Landsmannschaften, über die Folgen von Ignoranz und Dummheit. Der französelnde Saarländer, hinter dem sich Detlef Schönauer verbirgt, war am Freitagabend in der Reihe „Kabarettissimo“ im Herrenhof Mußbach zu Gast.
Inzwischen ist „Jacques Bistro“ eine Institution. Nicht nur auf Bühnen in der Region öffnet es seine Pforten, sondern auch im Fernsehen. Der Bistro-Wirt Jacques, den es einst der Liebe wegen, wie er sagt, von Paris in das „wunderschöne Saarland“ verschlagen hat, hat sich in den 30 Jahren kaum verändert. Vergleiche zwischen Großstadt und Provinz, zwischen Pfalz und Saarland und vor allem zwischen den dort lebenden Menschen bleiben daher nicht aus. Gern bedient der echte Wahl-Saarländer – Schönauer stammt aus Mainz – die Klischees. Und weil Saarländer im Saal sind, kommen die Gags umso lustiger rüber. Jacques erzählt, dass der Saarländer an sich „nit so gere schafft“; wichtiger sei ihm, gut zu essen und zu trinken – „geschafft han mir gleich“. Die große Passion des Schwenkens oder Grillens wird en detail erläutert. Liegen irgendwo drei Metallstäbe herum, selbst wenn es sich um Brennstäbe handelt, der Saarländer fertige daraus einen Schwenker.Einen großen Unterschied hat Jacques beim Trinkverhalten in der Wirtschaft festgestellt: Während der Saarländer nicht nah genug an der Theke – sprich dem Büffet – stehen kann, damit das Bier beim Transport zum Tisch nicht schal wird, sitzt der Pfälzer lieber am Tisch, und zwar möglichst weit entfernt von der Ausschankstelle. Grund: Der Wein hat durchs Herbeitragen noch etwas Zeit zum Reifen. Ja, Schönauer hat schon flapsige Anekdoten auf Lager. Gemäß dem Programm „Geist ist geil“ hat er sich aber auch tiefere Gedanken gemacht. Im Gegensatz zu den Jungen habe er seinerzeit sein Physikstudium durchgezogen. Heute sei jeder Abbrecher über seinen Schritt glücklich. „Früher haben sich die Dummen geschämt, heute sind sie stolz.“ Beispiel gefällig? Bei der Prüfung habe ein Schüler, der gefragt wurde, warum die Geschwindigkeit des Lichts höher sei als die des Schalls, geantwortet, dass wir das Licht eher sähen, weil die Augen weiter vorne seien als die Ohren. Als gelernter Physiker legt Schönauer verständlich gleich dar, wie ein Gewitter entsteht.
An Volksverdummung ist in den Augen des Kabarettisten das Fernsehen schuld. Da werden Superstars gesucht, Leute in Dschungel-Camps geschickt, und wer das schaue, freue sich, dass diejenigen dort noch dümmer seien als sie selbst. Anhand von leicht abstrusen, aber bundeslandtypischen Matheaufgaben – der 1. FC Saarbrücken dient als Steilvorlage – weist er nach, dass es die Schüler heute aber auch nicht leicht haben.
Ein großes Fass macht Schönauer, selbst einst Ministrant, zu den Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche auf. 2000 Jahre Zölibat hinterließen Folgen, sagt er, um sich gleich selbst zu korrigieren: Schuld an der Einführung des Zölibats seien die Kleriker des Mittelalters: Sie hätten so viele Kinder gezeugt, dass alles, „was die Kirche bei den Kreuzzügen ergaunert hatte, unter den Erben aufgeteilt werden musste“. Für manchen Zuhörer etwas starker Tobak …
Doch im Gegensatz zu den Protestanten könnten sich die Katholiken mit der Beichte stets reinwaschen, meint Schönauer. Deshalb gingen die ersteren stets gebeugt ob der schweren Last, die ihnen keiner nehme. Und in der Zugabe schildert er köstlich die moderne Form der Beichte: per „Drive in“ mit Rabatt- und Gold-Card.
Für den amüsanten Abend, den Schönauer mit einigen Liedern, zu denen er sich am Klavier und an der Gitarre begleitet, untermalt, danken die Zuschauer mit langem Applaus.
Von Regina Wilhelm
Neustadt-Mussbach. „Der macht nix, der will nur spielen“ – das ist wohl die beste Kurzfassung von Fabian Schläpers aktuellem Programm „Nie! Außer manchmal“, das er am Freitagabend im Mußbacher Herrenhof präsentierte. Das tat er trotz mannigfaltiger Konkurrenzveranstaltungen vor fast ausverkauftem Haus.
<text_1_absatz>„Eigentlich ist es ein Chansonabend, aber wir haben Kabarett aufs Plakat geschrieben, weil sonst keiner gekommen wäre“, sagt Schläper eingangs über das, was die Zuschauer die folgenden beiden Stunden erwarten sollte. Statt Weinhoheiten-Wahl, „Haiselscher“, Klassik- oder Rockkonzert sollten es also Lieder sein. Am Flügel begleitet von einem Pfälzer Urgewächs – Iris Kuhn, ehemalige Weinhoheit aus Königsbach sollte im Laufe des Abends so manche lokaltypische Einlassung absondern – widmete sich Schläper allerlei alltäglichen Befindlichkeiten, die sich vornehmlich um das Thema Versuchung drehen sollten.Ob es sich dabei um Schokolade, Zigaretten oder eben die Liebe handeln mag – Schläper hat etwas dazu gedichtet, Kuhn spielt dazu, und beide verzehren dabei im Laufe des Abends eine durchaus beträchtliche Menge Pralinées. Das zumindest nötigt dem Betrachter einen gewissen Respekt ab, denn beide präsentieren sich gleichwohl „in a good shape“, wie der Engländer sagen würde: rank und schlank und sauber onduliert.
Dass Kalorien Tierchen sind, die nachts die Hosen enger nähen, weiß Schläper zu berichten, dass nachts im Kühlschrank Licht brennt, wenn ihn der Heißhunger nach Nutella aus dem Glas befällt, und dass für den roten Glitzeranzug, den er in der ersten Hälfte des Programms trägt, so manches Polyesterchen hat sterben müssen. Der Frage, ob man lieber schlank raucht oder dick und rund Nichtraucher wird, widmet er eine Hommage an die geliebte Gauloise: Man könnte ja auch nur die Zigarette vorm Schlafengehen rauchen, meint er – man müsse sich dann nur 20-mal am Tag ins Bett legen …
Und überhaupt: „Wer mit dem Rauchen aufhört, muss nach dem Sex reden“ ist ein weiteres Argument, um dem Laster weiterhin zu frönen. Schokolade als Ersatz sei auch keine Lösung, denn die mache schließlich dick –und Schokoladenzigaretten als Kompromiss hätten auch nicht funktioniert.
Ein wenig nachdenklich widmet er sich dem Thema Liebe mit einem Lied, das von einem chinesischen Garten handelt, in dem der Gärtner von der Seerose, die Seerose vom Goldfisch und der Goldfisch vom Gärtner schwärmt, um zu dem Schluss zu kommen, dass man sich angesichts der Zufälle in der Liebe eben auch ans Single-Dasein gewöhnen müsse – trotz der Tatsache, dass Kochrezepte in der Regel für vier Personen notiert würden: „Wie man sich fettet, so wiegt man …“
Nach der Pause – Schläper hat den Glitzer- mittlerweile mit einem Jogginganzug vertauscht – macht das Duo einen Ausflug in die Tierwelt: Paul, das Faultier, wäre er gern, sein Haustier sei nunmal der innere Schweinehund, und gäbe es eine Wiedergeburt, erlebte man diese wohl am besten als Eintagsfliege, denn da beschere einem schon ein One-Night-Stand lebenslange Treue. Und man habe es insgesamt schneller hinter sich: „Bevor man fett wird, ist man hin.“ Bereits am Vormittag sei die Pubertät vorbei, das Werben um die Liebste gestalte sich weit weniger aufwendig angesichts auch derer begrenzter Lebenszeit und mit etwas Glück endet die Suche nach einem passenden Liebesnest auch nicht im Backenbart eines Biergartengasts, der sich des kitzelnden Etwas mit einer beherzten Ohrfeige selbst entledigt.
Dass der Moment, an dem aus Freundschaft Liebe wird, jener ist, bei dem man gemeinsam pupst, ist auch noch zu erfahren. Nun ja.
„Jedes Töpfchen findet sein Deckelchen“ zitiert er seine Oma, doch dann müsse er wohl eine Art Auflaufform sein, meint Schläper, der seiner Fleischeslust lieber Zunder statt Zander gibt: Denn habe man allen Widrigkeiten zum Trotz doch ein geeignetes Objekt der Begierde gefunden, müsse das zumindest kochen können wie die Mama: Bei richtigen Männern sei eben immer Rehbratenwetter – und am besten werde das Bambi schön blutig serviert.
Eher unblutig möchte man den Abend insgesamt beschreiben: Weh hat’s zumindest nicht getan.
Von Claus Jürgen Holler