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Kartenvorverkauf für das 2. Halbjahr 2018

Der Kartenvorverkauf für das 2. Halbjahr 2018 beginnt ab sofort.

Karten für unser Programm gibt es bei den Vorverkaufsstellen:

TABAK WEISS

Hauptstraße 61 – 67435 Neustadt/Weinstraße
Telefon: 0 63 21 / 29 42
www.tabak-weiss.de

PAPIER-SCHATULLE IN MUSSBACH

An der Eselshaut 54 – 67435 Neustadt/Weinstraße Mußbach
Telefon: 0 63 21 / 60 36 0

THEATERKASSE

Telefon: 0 63 21 / 96 39 99 – 18
Die Theaterkasse ist am Veranstaltungstag ab 15.00 Uhr geöffnet!
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Satire macht frei

Rheinpfalz, Kultur Regional

Das Kabarett-Duo „Die Buschtrommel“ aus Münster präsentiert seinen politischen Rundumschlag im Herrenhof

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Von Regina Wilhelm

Neustadt-Mussbach. Sie sind stellenweise richtig böse, die zwei Helden der „Buschtrommel“. Wüst hacken sie auf Politiker ein, lassen kein gutes Haar an ihnen. Am Freitagabend war das Duo in der Reihe „Kabarettissimo“ zu Gast im Herrenhof in Mußbach. Die Zuschauer, die ob der tropischen Schwüle ordentlich schwitzten, bedankten sich am Ende mit kräftigem Applaus für gut zwei Stunden Unterhaltung.

Britta von Anklang, der weibliche Teil, betritt die dunkle Bühne. Sie setzt sich auf einen Resonanzkörper und beginnt – passend zum Namen – zu trommeln. Im Kapuzenpullover tritt Andreas Breiing neben sie. Beide legen einen flotten Rap hin. Und schon hier zeigen sie, wohin die Reise geht. Da wird harsch ins Gericht gegangen mit den „Stammtischparolen der AfD“, da wird über Erdogan gelästert, den nicht einmal Ziegen mögen. „Die haben nämlich Geschmack.“ Am Ende stellen sie fest: „Satire macht frei.“Freundlich begrüßen die Westfalen die Gäste aus dem „Luftkurort Mußbach“. Ja, hier sei die Luft tatsächlich reiner, „vor allem, wenn man aus Leverkusen kommt“. Dort ergebe ein Kubikmeter Luft zusammengepresst exakt einen Backstein Feinstaub. Direkt wechseln die zwei jedoch zu ihrem Lieblingshelden: Präsident Trump. Der sei nicht dumm, halten sie fest, der habe schon gewusst, wie er an die Macht komme. Viele Male am Abend wird Breiing auf ein Podest steigen und den Trump mimen. Er startet mit einer Art Bellen, um dann die Kommentare loszulassen, die den Twitter-Freak stets als Größten und Klügsten ausweisen. Nein, Geld sei nicht alles, hält Trump fest. Auch mit 19 statt 20 Millionen sei es möglich gewesen, Wahlkampf zu betreiben.Aber nicht nur in den USA werden die Reichen bevorzugt, wie die Buschtrommler konstatieren. Akribisch listen sie, wie sich der Spitzensteuersatz nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute entwickelte. „Der lag einmal bei 95 Prozent“, ruft von Anklang dem überraschten Publikum zu, das auf 60 Prozent getippt hatte. 2005, als Rot-Grün regierte, belief er sich nur noch auf 42 Prozent. Kein Wunder, dass heute mancher Sohn, der zum Brötchenholen geschickt werde, gleich die ganze Bäckerei kaufe.

„Wir machen linkes Kabarett“, betonen die Buschtrommler. Und weil Deutschland so reich sei, dürfe es auch die Nachbarn unterstützen, wie beispielsweise die Niederlande, „ein kleines, feines Land“. Schon vor 60 Jahren – das glaubt jetzt niemand – habe sie dort Campingurlaub gemacht, meinte von Anklang verschmitzt – in einem hellblauen VW-Käfer. Ins Visier nimmt sie den verheerenden Plastikverbrauch beim Zelten. Ob Teller, Besteck und Tupperdosen – alles ist aus dem Material, das nun unsere Meere verseucht.

In Windeseile wird das nächste Thema angepackt: Organspenden. Bitterböse schildern die Kabarettisten, wie in China „bei lebendigen Leibe“ Menschen ausgeschlachtet werden. Reiche Araber, Amis und Europäer zahlten gut für die Ersatzteile. Ob allerdings ein Moslem eine Niere von einem Ungläubigen nehmen dürfe? Das Gehirn von Trump, schieben sie gleich kichernd nach, stamme bestimmt von einer mexikanischen Wüstenrennmaus, die in USA Asyl gesucht habe. Sein IQ zeuge davon. Und trotzdem sei Trump gewählt worden. „Was grenzt an Dummheit? Klar, Mexiko und Kanada.“ Auch ein solcher Kalauer darf nicht fehlen.

Weiter arbeiten sich die Kabarettisten an Italien und an Spanien mitsamt Katalonien und seinem „Putsch-Dämon“ ab. Über Umwege kehren sie schließlich zur deutschen Politik zurück: „SPD und CDU passen einfach nicht zusammen.“ Und welch Geistes Kind die AfD ist, verdeutlicht Breiing in einer wahnwitzigen Hitler-Persiflage. Nach zwei Stunden ist dann im wahrsten Sinne des Wortes „Time to say goodbye“. Und einmal mehr beweist Britta von Anklang, dass sie eine traumhafte Stimme hat. Zurecht wird fest Applaus gespendet.

Spitzensport im Kehlkopf

Rheinpfalz, Kultur Regional

Nicole Metzger mit der French Connection in der alten Johanneskirche

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Von Andrea Dölle

Neustadt-Mussbach. „Jazz im Gotischen Chor“ der Johanneskirche in Mußbach gab es zum zweiten Mal am Samstag mit Sängerin Nicole Metzger und „The French Connection“. Das Konzert war ausverkauft. Für Nicole Metzger war es quasi ein Heimspiel, denn sie ist Neustadterin, und mit den überwiegend französischstämmigen Musikern – daher der Name – spielt sie schon viele Jahre zusammen.

Ihr Programm „Moondance“, alles Songs, bei denen der Mond eine Rolle spielt, war zustande gekommen für ein Konzert im Planetarium in Mannheim. Erstaunlich, wie viele Jazz-Klassiker es gibt, die irgendwas mit dem Mond zu tun haben! Es gab Kritik beim ersten Konzert in dieser Kirche wegen der schwierigen Akustik, aber nun war alles gut. Die Veranstalter hatten daran gearbeitet, mit Decken auf der Empore den starken Hall-Effekt eingedämmt. Auch die Musiker hatten es berücksichtigt, Jean Marc Robin spielte Schlagzeug mit einer ausgestopften Bass-Drum und mit den Besen statt Stöcken, und wie er das Schlagzeug dem Raum anpasste, gehörte zu den Höhepunkten des Abends. Was blieb von der Hall-Akustik, war ein wenig „Badezimmer-Effekt“, aber der war reizvoll. Metzger sang zu Beginn und auch ganz am Ende ohne Mikrofon, und sie bewies, dass sie eigentlich keine Verstärkung braucht, ihre Stimme kam kraftvoll und klar, jedes Wort verständlich.Sie hat allerdings auch eine regelrecht „athletische“ Stimme, voll Kraft und dabei außerordentlich biegsam, Spitzensport im Kehlkopf. Dazu hat sie Ausdrucksfähigkeit und Stilgefühl, jedem der teils sehr alten Klassiker verpasste sie ein ganz neues, unverwechselbares Nicole-Metzger-Kleid. Das hieß eine schärfere Rhythmik statt der lang ausschwingenden Melodie wie bei Frank Sinatras „Fly me to the Moon“ oder dem „Blue Moon“, reichlich Scat-Gesang, wo er ursprünglich nicht war, wie bei „Night and Day“ von Cole Porter, als Fred Astaire es sang. Warum nicht, wenn man das so gut kann. Überhaupt bevorzugt Nicole Metzger eher einen schnelleren, rhythmischeren Stil. Bei einem brasilianischen Bossa Nova traf sie so genau die „schrägen“ Töne, wie man es von anderen als Astrud Gilberto kaum je zu hören bekommt. „Moondance“ von Van Morrison war dabei, eigentlich kein Jazz-Titel, aber ist es nicht Jazz, kann man es immer dazu machen.Sehr funky war dagegen „No Moon at all“, und Nicole Metzger konnte zur Ergänzung des Schlagzeugs richtige Percussion mit der Stimme machen. „Rond Midnight“ von Thelonious Monk war ein weiterer Klassiker, der seine eigene Metzger-Note bekam. Zu „Old devil moon“ von Frank Sinatra kombinierten sie die Basslinie eines anderen Songs, „Killer Joe“, und Jean Marc Robin sang als Background-Sänger mit. Das machte Spaß und brachte einen eigenen Effekt. Gitarrist Wesley „G“ brachte seine Solo-Einlagen wie eine zweite Stimme ein, eher Partner als Begleitstimme. Der vierte im Bunde war Jean-Yves Jung am Piano, auch er ein überaus wandlungsfähiger Jazzer, der schon mit einer Menge Berühmtheiten des Jazz gespielt hat. Manchmal durfte auch das Publikum mitmachen, mit Refrains oder rhythmischem Klatschen.

„Flaming June“ war der letzte Titel des offiziellen Programms, eine eigene Komposition von Metzger, inspiriert von einem Gemälde aus dem 19. Jahrhundert. Sie ließ den Song ausklingen ohne Mikrofon, indem sie langsam durch die Tür ging. Das Publikum war begeistert, stürmischer Beifall und Rufe nach Zugaben brachten Nicole Metzger zu einem letzten Lied zurück – da mussten aber alle mitsingen: „La le lu, nur der gute Mond schaut zu“.