Von Sigrid Ladwig
Ein Jammer wäre es, wenn die Stimme aus dem Off recht hätte und „Six Pack“ hätte nie existiert. Für die knapp 300 Gäste im Festsaal des Herrenhofs, wo der diesjährige Programmreigen der Kleinkunstbühne „Kabarettissimo“ eröffnet wird, dauert die angesagte Warteschleife zum Glück nur kurz. Dann beginnt eine A-cappella-Show, in der fabelhafte Singkunst permanent von skurrilen Impulsen unterwandert wird.
Ja, „Six Pack“ ist plastische Realität: quicklebendig, vielfältig und mitreißend. Das Paradoxon, wie es im Programmtitel anklingt, bleibt auf der Bühne allgegenwärtig. Das fängt mit der Tatsache an, dass für das Publikum eine paradoxe Wahrnehmung entsteht: Faktisch nicht Vorhandenes wird dennoch greifbar, denn obwohl keine Instrumente eingesetzt werden, meint man sie zu hören.
Das ist die verblüffende Illusion, die bei der vokalen Kunst der sechs Herren aus Bayreuth mitschwingt: Vom fülligen Bass bis zum abgehobenen Countertenor agieren die Stimmen, schaffen mit Summen, Flöten und Trillern die Wirkung von Instrumenten. Dazu lassen perkussive Laute den Rhythmus fließen, lebendig pulsierend mit Silben wie „dum“ und „di-dipp“, durch Fingerschnippen, Klatschen und Klopfen.
Wenn „Six Pack“ in die eigene Vergangenheit blickt, dann sind inzwischen mehr als 35 Jahre Bühnenarbeit zusammen gekommen. Wohl deswegen sprechen die Stimmartisten selbstspöttisch von „der ältesten A-capella-Show der Welt“, vom „Falten-Rock“ oder von veralteter Hardware. Immer mal wieder stellt sich im Laufe des Abends das Problem mit dem erhofften, aber ausbleibenden Windows-Update: Man fliegt mitsamt dem Publikum aus dem Netz und es wird dunkel im Saal. Aber wie heißt es zukunftsgläubig: „Ein Chip wird kommen …“. Und genau dieser kleine Computer-Kern wird jedem auf der Bühne salbungsvoll verabreicht. Sogleich haben die Empfänger den Chip im Hals, aber offenbar ist er ranzig geworden. Hinunter geschluckt, bleibt er ohne Wirkung.
Die „Vokalakrobaten“, wie sie sich selbst nennen, treiben ihren „Unsinn mit allem, was die Musik so bietet“ – vom Schlager, über Pop und Rock bis hin zur romantischen Oper. Welches Genre auch immer erklingt, ob Carmens berühmte Arie „Habanera“, ob „Blue moon“ oder „Video killed the Radio Star“ von den „Buggles“, die zündenden Cover-Versionen bestechen mit brillanten Stimmen.
In „Carbonara“ von „Spliff“ übernimmt Christian Strobler mit kraftvollem Bass den Hauptpart, während Markus Lohmüller mit „She’s the one“ von der passenden Frau seines Herzens träumt. Lars Kienle gefällt mit „Can’t help falling in love with you“, auch wenn sein Elvis reichlich angestaubt und zerzaust daherkommt.
Aber so ist „Six Pack“ eben: Ins hohe künstlerische Niveau der Darbietung wird immer wieder Klamauk gemischt – manchmal handfest und deftig. Dass man sich bei alldem gern foppt, gehört zu den Vorlieben des Gespanns. Genüsslich führen die Männer ihre Arrangements ins Aberwitzige, ummanteln sie mit szenischen Extras, die für ausgiebiges Gelächter sorgen.
Doch es gibt auch zarte Momente. Ein träumerisches „Fields of gold“ mit Markus Burucker als Hauptstimme ergreift das Publikum spürbar. Klangvoll entfaltet sich die sanfte Melancholie des Songs, während Countertenor Bernd Esser in melodischen Höhen schwebt und seine glasklare Stimme die Zuhörer bezaubert. Auch seine traumhafte „Barcarole“ aus der Oper „Hoffmanns Erzählungen“ sorgt für jubelnden Applaus. Als Sprachassistentin „Siri“ spielt Esser eine kokett-neckische „Toffifee“ im digitalen Kreis der Kollegen.
Mit „Les Champs-Élysées“, exzellent gesungen von Johannes Betz, sind wir auch schon bei den Zugaben. Das Publikum im Herrenhof konnte kaum genug davon bekommen. Aber wer sich so verausgabt wie beim energiegeladenen „Kiss“ von Prince, hat genug bewiesen, dass „Six Pack“ auch in Zukunft erfreulich real bleibt.
Quelle
| Ausgabe | Die Rheinpfalz Mittelhaardter Rundschau – Nr. 21 |
| Datum | Montag, den 26. Januar 2026 |
| Seite | 17 |
Von Regina Wilhelm
Das neue Jahr eröffnet am 24. Januar das Ensemble „Six Pack“. „Nein, absolut keine Unbekannten“, meint Kreitmann schmunzelnd. die Musikcomedy-Truppe aus Bayreuth sei schon zwei- bis dreimal hier gewesen, allerdings in unterschiedlicher Besetzung. Doch die Qualität sei immer höchstes Niveau. Im Gepäck hat „Six Pack“ – ja, der Gag muss sein – ein Programm mit einem elend langen Titel „Show mit der neuen Best-of-Show ,Zukunftsmusik – Das Beste von gestern’“. Was sich dahinter verbirgt? Nun die Highlights aus 35 Jahren „Musik-Piraterie“, wie Kreitmann weiß. Denn die sechs Künstler greifen gern in die Kiste bekannter Melodien, ob U- oder E-Musik, und dichten dazu ihre eigenen, in der Regel äußerst komischen Texte. Angekündigt sind unter anderem Auszüge aus „Carmen“, Songs der „Münchner Freiheit“ oder von „Brotherhood of Man“ in wilder Kombination und ganz ohne Instrumente rein a-cappella vorgetragen.
Ein gern gesehener Gast im Herrenhof ist auch Philipp Weber. Der Wortakrobat wird am 21. Februar wieder in Mußbach zu erleben sein. Der gebürtige Amorbacher wird seine Überlegungen zu unserem Staatswesen zum Besten geben. Der Programmtitel „Power to the Popel“ lässt allerdings stutzen. Kommt das von „populus“, peuple oder people, was in den verschiedenen Sprachen Volk bedeutet? Oder bedeutet es etwas ganz anderes? Die Besucher werden es erfahren. Auf jeden Fall werde Weber unser Staatswesen, unsere Demokratie sowie ihre gewählten Vertreter ziemlich durch den Kakao ziehen, meint Kreitmann. Dass mancher Lacher im Halse stecken bleibe, könne dabei schon vorkommen. Dabei lege Weber ein rasantes Tempo vor. Gleich einem aufgezogenen Duracell-Häschen hüpfe er über die Bühne – „und das locker zwei Stunden lang“.
Im wahrsten Sinne des Wortes ein ausgezeichneter Musiker ist Andreas Martin Hofmeir. Vor zwei Jahren präsentierte er im Herrenhof sein Programm „Kein Aufwand – Teil 1“. Folgerichtig wird er jetzt am 21. März mit „Teil 2“, ergänzt um „die letzten Jahre“, aufwarten. Kreitmann beschreibt Hofmeir als „begnadeten Tubisten“, der obendrein voller Witz und Humor stecke und Vergleiche mit Karl Valentin oder Gerhard Polt nicht zu scheuen brauche. Der Oberbayer, der aus Prinzip immer barfuß auftritt, gibt in seinen Programmen allerlei Witziges aus dem Leben eines Musikers preis. Begleitet werde er in der Regel von einem Kollegen. Wer dieses Mal mitkomme, stehe aber noch nicht fest, so Kreitmann. Hofmeir selbst spielt außer der Tuba, die Fanny heißt, auch noch Trompete (Franz) und Posaune (Frau Griesmeier). Schon diese schräge Namensgebung weist auf den Schalk des Musikers hin, der jedoch zugleich ein echter Könner auf seinem Instrument ist, wie manche(r) vielleicht noch von seinem Auftritt 2023 als Solist an der Seite der Rheinischen Philharmonie im Neustadter Saalbau in Erinnerung hat.
Den Frühjahrsreigen beschließt am 11. April ein neues Gesicht in der Reihe: Lucy van Kuhl. Nein, er habe die Künstlerin auch selbst noch nicht live gesehen, räumt Uwe Kreitmann ein. Aber er habe sich etliche Videos von ihr angeschaut, „und die Beiträge haben mir gefallen“. Die Kölnerin interpretiert selbst geschriebene Lieder und Chansons, die sie am Flügel begleitet, ist aber zugleich auch Kabarettistin und Poetin. „Auf den zweiten Blick“ ist ihr Programm überschrieben. Damit wolle sie aufzeigen, dass es sich lohne, nicht nur einmal auf eine Person, eine Sache, eine Beziehung, ein Gefühl, auf die Gesellschaft oder eine Begebenheit zu schauen, sondern durchaus auch ein zweites Mal oder sogar öfter.
Was den Rahmen betrifft, dürfen sich die Besucher bei „Kabarettissimo“ auf Bewährtes freuen. Es gibt im Vorfeld und während der Pause Snacks, Mußbacher Weine und auch Alkoholfreies, „was dankenswerterweise ehrenamtliche Helfer ausgeben“, betont Kreitmann.
NOCH FRAGEN?
Alle Veranstaltungen beginnen um 20 Uhr im Herrenhof-Festsaal in Mußbach. Karten unter www.kaberettissimo.de sowie bei Ticket-Regional-Vorverkaufsstellen wie Tabak Dürninger oder der Buchhandlung Quodlibet in Neustadt.
Quelle
| Ausgabe | Die Rheinpfalz Mittelhaardter Rundschau – Nr. 12 |
| Datum | Donnerstag, den 15. Januar 2026 |
| Seite | 16 |