Von Cosima Schade
Philipp Weber ist „bekannt aus Funk und Fernsehen“, wie man so schön sagt, und war auch schon mit mehreren Programmen im Herrenhof zu sehen. Der Saal ist an diesem Abend voll besetzt, alle warten nur darauf, bis er wieder „wie ein Eichhörnchen“ von einer Seite zur anderen springt und hyperaktiv eine Pointe nach der anderen raushaut. Als Anker dient ein Stuhl, der ganz vorne an der Bühnenkante steht, und den er sogar noch weiter nach vorne rückt, dem Licht ausweichend. Gefährlich beugt er sich nach vorne, kippelt mit dem Stuhl, kommt dem Publikum näher. Aber die Balance stimmt, Stuhl und Weber bleiben standhaft.
Diesmal spielt seine Bühnenfigur einen verzweifelten „Wutbürger“, aber nicht einen aus dem rechten Lager, sondern einen, der Angst um die Demokratie hat. Es reicht ja schon, dass sein Freund Herbert so politikverdrossen ist, dass er nur noch auf die Grünen schimpft, die in seinen Augen an allem Schuld sind. „Wegen der Grünen müssen wir runter von den Bäumen, nur weil die mit ihren Birkenstockschuhen nicht klettern können.“ Aber Herbert sei nicht das Problem, mit dem könne man noch reden, politikverdrossen seien schließlich alle.
Das Problem ist, dass viele „demokratiemüde“ sind, so Webers Analyse. „Immer mehr Menschen glauben daran, dass die Demokratie nicht mehr die anstehenden Probleme lösen kann“, zitiert er eine Studie. Aber wo macht man Urlaub von der Demokratie, wenn man „demokratiemüde“ ist, etwa in Saudi-Arabien? Gebucht über „Dikta-tour“? „Eine Enthauptung statt Yoga macht den Kopf frei“ so Weber sarkastisch. Nein, das Problem seien nicht Leute wie Herbert, sondern Demokratiefeinde wie der „braune Hans“, der gerade in die untere Wohnung seines Hauses eingezogen ist.
Hans ist laut Weber ein „Dorfnazi“, wie es sie in jedem Dorf gibt mit entsprechender „Karriere“: Republikaner in den 80ern, dann nacheinander Mitglied bei der DVU, NPD, „der Heimat“. Mit „dem braunen Hans“ kann man nicht reden, ständig missioniert er: „Darf ich mit Ihnen über Deutschland reden? Wir müssen uns das Land zurückholen. Wir sind das Volk.“ Webers Antwort: „Und was ist mit mir?“ – „Sie auch, Sie sind auch das Volk.“ – „Nein, wenn wir dasselbe Volk sind, dann gebe ich das Land wieder ab!“
Seit dem Einzug dieses Nachbarn kann Weber nicht mehr schlafen. „Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht“. Der rote Faden der Show ist nun eine Exkursion in die Geschichte politisch rechter Volksbegriffe. Die Idee der „Blutsgemeinschaft“ beispielsweise, die heute im Begriff des „Biodeutschen“, dem Unwort des Jahres 2024, mitwabert, der Deutsche in „echte“ Deutsche und „Deutsche mit Migrationshintergrund“ einteilt. „Mimimis“ nennt Weber diese absurde Konstruktion.
Weiter geht’s mit der Idee des „homogenen Volkskörpers“, eine Ideologie, die biologisch begründet wird, aber totaler Quatsch sei. „Alle Macht geht vom Volk aus“, postuliert allerdings auch die Demokratie. „Power to the people“ ist eine bekannte Hymne der Bürgerrechtsbewegung, die auch den Begriff „Volk“ (people) nutzt. Wie kann das sein? Weber schaut ins Grundgesetz – „Volk“ kommt darin nicht vor. Das Wesen der Demokratie ist schließlich Pluralismus.
Die Frage „Was ist das Volk“ martert Webers Figur so sehr, dass ihm im Alptraum ein Psychologe zu einem Haustier rät. Er schafft sich Ameisen an – und damit sein eigenes Volk. Demokratie brauche Frohsinn, nicht Emotionen wie Zorn, Angst und Wut, wie sie die Extremisten verbreiten. „Wenn es um Nationalfrohsinn geht, bin ich ein glühender Patriot. Ich bin froh, dass ich ein Deutscher bin, und kein Sudanese, der sich fragen muss, was es morgen zu essen gibt, kein Nordkoreaner, der sich überlegen muss, was er sagen darf und kein Afghane, der sich fragt, wie er seine Tochter in die Schule bekommt. Ich bin froh, dass es Deutsche geschafft haben, vom nationalen Größenwahn herunterzukommen. Die letzten 80 Jahre waren erfolgreich. Diesen Weg könnte man doch einfach weitergehen.“
Pluralismus und Frohsinn sei die Antwort auf seine Frage- und miteinander reden, sich engagieren die Therapie gegen Demokratiemüdigkeit. „Miteinander babbeln, so kommt man auch aus der Bubble raus“. Deshalb seien Vereine wie der Kulturverein so wichtig. Als „Brandmauer einer wehrhaften Demokratie“, sein Fazit.
Quelle
| Ausgabe | Die Rheinpfalz Mittelhaardter Rundschau – Nr. 46 |
| Datum | Dienstag, den 24. Februar 2026 |
| Seite | 18 |