Glück kann ein Lächeln sein

Kultur Regional

Das Magier-Duo „Junge Junge“ bringt mit seiner Zauber-Comedy-Show „Glücksmomente“ das Publikum im Herrenhof zum Lachen und Staunen

Von Birgit Karg

Kleeblatt, Hufeisen und Marienkäfer gelten gemeinhin als Glückssymbole, und für viele auch der Luftballon auf dem Jahrmarkt. Mit dem gelben Aufblas-Ding und verblüffendem Schnur-Trick eröffneten die beiden Brüder Gernot und Wolfram Bohnenberger alias „Junge Junge“ am Samstag auch ihre zauberhafte Show im Mußbacher Herrenhof.

Dem Maikäfer zauberten sie die Punkte erst auf die Flügel, dann färbten sie sie bunt, ehe sie die Tupfen als XL-Konfetti zu Boden regnen ließen. Wie das? Staunende Gesichter gab es oft an diesem kurzweiligen Abend, an dem die Magier aus dem Schwäbischen alle Register ihrer Kunst zogen. 

Fingerfertigkeit und Illusion gaben sich die Hände, sei’s beim Elemente-Zauber mit sich wie von Geisterhand nachfüllenden Wasserschalen, beim Verschwinden von Gegenständen, der Teleportation von Spielkarten oder beim Lesen der Gedanken von Leuten im Publikum. Gernot Bohnenberger, der Ältere der beiden zaubernden Brüder und von Haus aus Arzt, philosophierte über das Glückshormon Serotonin und hatte gleich den passenden Schokoladen-Zerstückelungstrick mit dabei. „Der geht nur mit Milka, mit Ritter-Sport nicht“, gab der verschmitzte Zopfträger zu Protokoll. Aber auch seinem jüngeren Bruder Wolfram, einem gelernten Diplom-Ingenieur und Architekten, blitzte der Schalk aus den Augenwinkeln unter der Wuschelfrisur hervor. Mit konischen Klötzen baute er das magische „Haus des Lebens“, das auch bei Zufügung weiterer Bausteine stets ein Ganzes blieb. 

Viele bekannte Taschenspielertricks mit Kästen und Karten, Zahlen und Figuren hatte das sympathische Duo im Programm, präsentiert wurden die Tricks jedoch auf ungewöhnliche, verblüffende Art und im Rahmen augenzwinkernd philosophischer Betrachtungen über die Glücksmomente im Leben. Und die sind bekanntlich so unterschiedlich wie die Menschen selbst: Der US-Metropole Las Vegas als Mekka des Spiel- und Liebesglücks zollten die Zauberer Tribut in Karten- und Mentaltricks, bei denen sie eine mechanische Denker-Plastik wie von Zauberhand die Augen rollen ließen, ehe die Schädeldecke der geheimnisvollen Damenbüste eine XL-Spielkarte freigab.

Zwischendurch gaben die beiden Reutlinger Einblicke in ihre Künstler-Karriere. In Einspiel-Sequenzen zeigten sie vergnügliche Blicke hinter die Kulissen des Showbusiness. Mit Fundstücken von ihren weltweiten Tourneen ging es auf eine Bilderreise durch den internationalen Schilderwald. Höhepunkt vor der Pause war ein visueller Show-Act, der die Weltmeister der Magie von ihrer komödiantischen Seite zeigte: Mit der Nummer „Crazy Chaps“ erreichten sie den Gipfel der Rasanz: Zwei ausladende Hutkrempen, laufend umgeformt im Sekundentakt, spielten die Hauptrolle in einer furios choreografierten Synchron-Einlage und machten die Magier unter anderem zu Cowboy, Torero, Napoleon, Flaschenkind und Schlagertante. Das war perfekte Parodie und Klamauk in einem.

In der Pause hielten die Veranstalter im Foyer Stielgläser bereit, die sich mit Weiß- oder Rotwein-Glück füllen ließen. Nach einem derartigen Viertel Glück erwartete die Besucher dann greifbare Magie mit Gegenständen. Wie der Tastsinn das Denken haptisch beeinflusst, zeigten die Magier gemeinsam mit Besucherin Christiane, die ihre Hand zum Blind-Ertasten in eine Fühlbox steckte. Zwischendurch gab es Anleitung zur Glücksverweigerungsoptimierung aus Paul Watzlawicks Kult-Buch „Anleitung zum Unglücklich-Sein“, wurde in Entscheidungsfragen die „Illusion der Alternative“ als Unglücksfaktor entlarvt und dem Elektrifizierungspotenzial des Glücks gehuldigt. Dass Liebesglück als „größter Umzugsfaktor“ auch Möbelrücken erfordert, wurde beim Vervielfältigungszauber mit Umzugskartons offenkundig: Aus einem Stuhl wurden zwei, wurden drei. Staunen. Wie einem geistig „ein Licht aufgehen kann“, demonstrierten die Zauberer anhand der Gedankenkraft von Besucherin Traudel, deren Lächeln eine Glühbirne zum Brennen brachte. Glück kann ein Lächeln sein, innere Zufriedenheit, ein Funke der überspringt. Oder einfach lachen und staunen. Junge, Junge!

Quelle

AusgabeDie Rheinpfalz Mittelhaardter Rundschau – Nr. 49
DatumMontag, den 27. Februar 2023
Seite19