Das Kabarett-Duo „Die Buschtrommel“ verabschiedet sich „schonungslos“ vom „Kabarettissimo“-Publikum im Mußbacher Herrenhof
Neustadt-Mussbach. Wenn Andreas Breiing und Ludger Wilhelm die Trommel rühren, dann übermitteln sie unglaubliche, aber wahre Nachrichten. Wenn sie dabei die Höhepunkte aus neun Kabarett-Programmen auf die Bühne bringen, dann ist das geballte Satire, köstlich und böse, witzig und ätzend zugleich: Am Samstag gastierte „Die Buschtrommel“ mit ihrem letzten Politprogramm „Schonungslos“ im Mußbacher Herrenhof.
Die zwei Kabarettisten aus Münster stehen kurz vor ihrer Trennung. Als wollten Andreas Breiing und Ludger Wilhelm deshalb noch einmal richtig zulangen, schrecken sie in „Schonungslos“ nicht vor harten, auch schmerzhaften Trommelschlägen zurück. Ihr Instrument haben sie in mehr als 20 Jahren einzusetzen gelernt, haben in dieser langen Zeit Zu- und Missstände enthüllt, angesichts derer sich sogar die Atheisten den Zorn Gottes herbeiwünschen.Doch beim Enthüllen bleiben sie nicht stehen: Das Buschtrommel-Duo lästert, streitet, jammert und höhnt, was das Zeug hält. Auch gegenseitiges Bespötteln gehört zu seinen Stärken: Im wechselseitigen Hinterfragen setzt es Schläge und Seitenhiebe, die das Publikum aus der zuerst gepriesenen „Insel der Harmonie“ unsanft hinaus befördern.
Nein, harmonisch geht es wirklich nicht zu an diesem Abend im Festsaal des Kelterhauses im Herrenhof. Dazu ist dieses Gespann zu streitlustig, empört und aufwühlend. Vielleicht, so kann man mitunter den Eindruck gewinnen, hat es sich aber auch stückweise abgenutzt. Während sich die erste Spielhälfte streckenweise etwas zäh gestaltet, laufen die Kabarettisten nach der Pause immer mehr zur Hochform auf.
Ihre Dialoge, schrullig und sprunghaft ausgefochten, wechseln mit szenischen Einlagen. Sie lassen Neurosen auf Beton erblühen und bringen Politiker zum Singen. So mimt Andreas Breiing bebrillt, gescheitelt und ohne Rückgrat, dafür mit fließendem Mundsekret einen haltlos in sich zusammen sinkenden Pofalla. Dann wieder schlüpfen Breiing und Wilhelm in die Rollen zweier Senioren, die frustrierende Nachrichten von der Rentenfront und anderen Schauplätzen zum Besten geben und dabei die Verrücktheiten der Jetztzeit vorführen. Stichelnder Humor und narrendes Veralbern wechseln mit zynischer Satire. Bei sensiblen Themen wie Kindesmissbrauch geht das Duo spürbar an die Schmerzgrenze. Solche riskanten Unterfangen bewirken ein Raunen im Publikum. Nur einen Hauch argloser geht es zu, wenn Wilhelm als einfältiger Willi aus Wanne abstruse Methoden der Geldanlage schildert. Oder wenn Angriffe gegen raffgierige Manager getrommelt werden und dabei anschaulich das Elend ihrer bedauernswerten Familien in den Flüchtlingslagern von Liechtenstein und Monaco ausgemalt wird.
Aufs Tapet kommen frappierende Wort- und Gedankenspiele, die sich bis in bizarre Komik steigern. Mal wird die Bühne zum Parkett für einen schmissigen und schmiegsamen Tango mit vier Geldkoffern, mal wird sie zum Sehnsuchtsort voll Weltschmerz: Das amüsierte Publikum erlebt, wie einer lamentierend mal wirklich leben will „ohne wenn und Abel“, wie er saufen will „ohne die Katze im Hinterkopf“ und wahrhaft „genießen ohne Treue“.
Das ist gelungener Klamauk, der bestens ankommt. Bei allem Gelächter war im sommerlich aufgeheizten Saal aber auch zu spüren, dass die Buschtrommler mit ihrer satirisch überspitzten Zeitkritik den Nerv der Zuschauer treffen. Alles in allem: Mit Rhythmus und Schlägen in wechselndem Kaliber bildet „Schonungslos“ einen gelungenen Ausklang.
Von Sigrid Ladwig
Der Münchener Kabarettist Helmut Schleich ist eine der markantesten Größen der deutschsprachigen Kabarett-Landschaft. Seit über 30 Jahren kreiert er lebensechte, legendäre Bühnenfiguren wie den asthmatischen Stammtischbruder Heinzi (aus dem Bayern1-Duo Heinzi & Kurti), den Alt-Künstler mit Attitüde Heinrich von Horchen oder den verschwörerischen Kult-Reporter Hapflinger Sepp aus der Sendung SchleichFernsehen. Aber auch echte Personen sind vor seiner Verwandlungskunst nicht sicher: Er parodiert meisterhaft unter anderem Bundespräsident Joachim Gauck, den emeritierten Papst Benedikt XVI., Uli Hoeneß, Angela Merkel oder Franz Josef Strauß, dessen Darstellung mittlerweile Kultstatus genießt. Mit seinem Typenkabarett ergründet Helmut Schleich die bayerische Volksseele, mit seinen Parodien gewährt er phantastische Einblicke in den Mythos der Mächtigen, entlarvt große Worte als kleinbürgerliche Haltung und versteht es immer wieder zu überraschen: Sein Franz Josef Strauß outet sich im aktuellen Bühnenprogramm bitterböse und posthum als bayerischer Maulheld und das großspurige „Mia san mia“ als lautes Pfeifen im Walde.
„Juristisch betrachtet handelt es sich um einen Präzedenzfall: 16 Jahre nach dem Förderpreis „Senkrechtstarter“ erkennt mir die Jury des Bayerischen Kabarettpreises den Hauptpreis zu und zeichnet damit erstmalig einen Künstler zum zweiten Mal aus. Das ist doch aller Ehren wert!
Hochgerechnet darf ich vermutlich ab 2031 damit rechnen, eventuell als „Ehrenpreisträger“ erneut zum Präzedenzfall zu werden: Als erster Kabarettkollege, der alle drei Preise bekommen hat. Die Tatsache, dass man mir heuer – trotz mittlerweile 31 Berufsjahren – noch nicht den Preis für das Lebenswerk gegeben hat, sondern den Hauptpreis, deute ich als eine mit der Auszeichnung verbundene Hoffnung, dass ich mein Lebenswerk noch möglichst lange fortsetzen werde und mich nicht darauf zurückziehe.
Als tapferem Satire-Arbeiter im Kabarett-Theater des Herrn ist mir der außerordentliche Wert von Orden und Ehrenzeichen in jeder Form durchaus bewusst und daher freue ich mich – im Rahmen meiner Möglichkeiten – sehr.“